Entwicklung und Fertigung eines Achsenkonzepts zur Aufnahme eines Beringer-Bugrades bei Ultraleichtflugzeugen

Die Auslegung und Fertigung von Komponenten für Ultraleichtflugzeuge bewegt sich stets im Spannungsfeld zwischen minimalem Gewicht, maximaler Zuverlässigkeit und luftfahrttauglicher Sicherheit. Ein besonders sensibles Bauteil stellt dabei die Bugradachse dar – speziell dann, wenn ein hochwertiges Bugrad der Marke Beringer integriert werden soll. Dieser Beitrag gibt Einblick in die konstruktiven Überlegungen, die Materialwahl sowie das Lagerkonzept unter Berücksichtigung extrem enger Fertigungstoleranzen.


Ausgangslage und Anforderungen

Das Bugrad übernimmt beim Rollen, Starten und Landen nicht nur Führungsaufgaben, sondern muss auch dynamische Stoßlasten, Seitenkräfte sowie Bremsmomente zuverlässig aufnehmen. In Kombination mit einem Behringer-Bugrad ergeben sich zusätzliche Anforderungen:

  • präzise Passung zur Behringer-Nabenaufnahme

  • spielfreier, aber leichtgängiger Lauf

  • hohe Dauerfestigkeit bei wechselnden Lastfällen

  • Korrosionsbeständigkeit im Außenbetrieb

  • luftfahrtkonforme Werkstoffe und Fertigungsverfahren

Gerade bei Ultraleichtflugzeugen sind Gewichtseinsparungen entscheidend – dürfen jedoch niemals zulasten der Sicherheit gehen.


Achskonzept und konstruktive Auslegung

Das Achskonzept basiert in der Regel auf einer durchgehenden Achse, die sowohl Radlagerung als auch die Kraftübertragung in die Bugradgabel übernimmt. Zentrale Konstruktionsmerkmale sind:

  • definierte Lagersitze mit Übergangspassungen

  • saubere Trennung von tragenden und klemmenden Bereichen

  • Vermeidung von Kerbwirkungen durch großzügige Radien

  • axiale Sicherung des Rades ohne Vorspannung der Lager

Die Achse wird so ausgelegt, dass Biege- und Scherkräfte auch bei harten Landungen innerhalb der zulässigen Spannungen bleiben – inklusive Sicherheitsfaktoren gemäß luftfahrtüblicher Praxis.


Materialwahl – leicht, fest und luftfahrttauglich

Die Materialwahl ist ein Schlüsselfaktor. Bewährt haben sich insbesondere:

  • 42CrMo4 (vergütet)

    • hohe Festigkeit und Zähigkeit

    • gute Bearbeitbarkeit

    • etablierter Werkstoff im Luftfahrt- und Motorsportbereich

Alternativ – bei konsequentem Leichtbau:

  • hochfeste Aluminiumlegierungen (z. B. EN AW-7075)

    • deutlich geringeres Gewicht

    • jedoch erhöhte Anforderungen an Oberflächenschutz und Auslegung

Unabhängig vom Werkstoff ist eine geeignete Oberflächenbehandlung (z. B. Harteloxal, Brünieren oder Korrosionsschutzbeschichtung) essenziell.


Lagerkonzept – Präzision ohne Kompromisse

Das Lagerkonzept entscheidet maßgeblich über Laufruhe und Lebensdauer. Für Bugradanwendungen haben sich bewährt:

  • zweireihige Rillenkugellager oder

  • Paarungen aus Schrägkugellagern, je nach axialer Belastung

Wichtige Aspekte dabei:

  • definierte Presspassung der Lager auf der Achse

  • keine axiale Verspannung beim Anziehen der Befestigung

  • klare Trennung von Lagerfunktion und Befestigungsfunktion

  • Einsatz von Distanzhülsen zur Kraftentkopplung

Gerade hier sind Fertigungstoleranzen im Bereich weniger Hundertstel Millimeter entscheidend, um sowohl Spiel als auch Übermaß zuverlässig zu vermeiden.


Fertigung und Qualitätssicherung

Die Fertigung der Achse erfolgt idealerweise auf präzisen CNC-Drehmaschinen mit anschließender Feinbearbeitung der Lagersitze. Wichtige Schritte:

  • konsequente Maßprüfung (z. B. Mikrometer, Passlehren)

  • Oberflächenrauheit im Lagerbereich ≤ Ra 0,8 µm

  • dokumentierte Werkstoff- und Prozesskette

 

In der Luftfahrt gilt: jede Abweichung ist potenziell kritisch. Daher sind reproduzierbare Prozesse und eine saubere Dokumentation unerlässlich – auch im Ultraleichtbereich.

 

Die Fertigung einer Bugradachse zur Aufnahme eines Beringer-Bugrades ist ein gutes Beispiel dafür, wie klassischer Maschinenbau und luftfahrtspezifisches Denken zusammenkommen. Enge Toleranzen, durchdachte Materialwahl und ein sauberes Lagerkonzept sind keine Kür, sondern Pflicht.

 

Wer hier sorgfältig konstruiert und fertigt, erhält ein Bauteil, das nicht nur leicht und langlebig ist, sondern vor allem eines bietet: Vertrauen – bei jedem Start und jeder Landung.